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Rund um das Thema „Ausbildung“ hatten die nordrhein-westfälischen Friedhofsgärtner ihre Wintertagung in Hattingen gestaltet. Alle Diskussionen, Vorträge und Zahlen belegen: Es wird immer weniger ausgebildet.

Oft fehlt es bereits an geeigneten Bewerbern, das Image des Berufes ist nicht das beste, und nicht alle der wenigen Auszubildenden halten die dreijährige Lehrzeit durch. Mit einer moderierten Diskussionsrunde und einem Vortrag am Nachmittag versuchten die Friedhofsgärtner, das Thema aufzuarbeiten. Die Probleme sind seit vielen Jahren gleich geblieben: Fachfremde Fächer im Berufsschulunterricht, Überbetriebliche Ausbildung zu Saisonzeiten und wenig bis gar nicht motivierte junge Leute. Die Betriebe, die erfolgreich ausbilden, erreichen Friedhofsgärtner in spe oft über die heute vorgeschriebenen Schulpraktika. Die müssen alle Schüler leisten – und sie sind vermutlich die beste Art, auf diesen Beruf aufmerksam zu machen. Das Beispiel der Kölner Friedhofsgärtner – www.ruhebewahrer.de – zeigt, dass auch moderne Ansätze greifen können. Allerdings: Nicht nur die Friedhofsgärtner, auch die anderen handwerklichen Berufe suchen händeringend nach Auszubildenden. Die Konkurrenz um die jungen Leute ist groß und sie wird sich in den nächsten Jahren  weiter verschärfen. „Wir werden das Thema ‚Nachwuchs‘ im Vorstand als zentrales Thema in den nächsten Jahren immer wieder angehen“, bestätigte Carsten Nöll, Essen, in Hattingen. Weil Josef Knostmann, Schwerte, nach wie vor schwer erkrankt ist, erklärte sich Nöll bereit, den Fachverband der Friedhofsgärtner in Nordrhein-Westfalen für ein weiteres Jahr stellvertretend zu führen. Mit Martin Asbeck, Iserlohn, steht dazu ein engagierter Stellvertreter zur Verfügung. Auch die anderen Vorstandsmitglieder haben mehr Aufgaben übernommen, wie Asbeck in seinem Jahresbericht darlegte. Immer weniger Fachleuten steht ein auf der anderen Seite zunehmender Erfolg der Friedhofsgärtner an Rhein und Ruhr mit Gemeinschaftsgrabanlagen entgegen, die in Verbindung mit Dauergrabpflegeverträgen verkauft werden. Die Laufzeiten dieser Verträge liegen zwischen 20 und 40 Jahren. Nur wenn auch in Zukunft genug Fachleute ausgebildet werden, können diese Verträge fachgerecht erfüllt werden, darauf wies auch Martin Asbeck deutlich hin. Mit „NaturRuh“ will der Bund deutscher Friedhofsgärtner (BdF) zur IGA in Berlin ein neues Projekt vorstellen. „Ich sehe das als tolle Erweiterung an, gebe aber zu Bedenken, dass wir unsere Marke „Memoriam-Garten“ noch nicht flächendeckend etabliert haben. Das dürfen wir nicht außer Acht lassen, bevor wir uns mit neuen Konzepten und Formen beschäftigen“, meinte Asbeck. Für die nordrhein-westfälischen Friedhofsgärtner steht in diesem Jahr neben der IGA in Berlin mit Bad Lippspringe auch noch eine Landesgartenschau auf dem Programm. Neben rund 39 klassischen Musteranlagen soll dort auch eine Gemeinschaftsanlage präsentiert werden. Mit der Domain www.lgs-graeber-nrw.de wird es neben dem klassischen Flyer dann alle Informationen zu den Schaugräbern auch im Internet geben.

Intensiv ging Asbeck dann noch einmal auf das Thema der Gemeinschaftsanlagen ein: Gemeinsam mit den drei evangelischen Landeskirchen konnte ein Mustervertrag für Gemeinschaftsanlagen mit Absicherung über die friedhofsgärtnerischen Treuhandstellen erarbeitet werden. Gespräche mit der katholischen Kirche stehen noch aus, sind aber von Seiten der Friedhofsgärtner in Vorbereitung. Zu diesem Thema gehört auch die Befreiung der Kommunen von der Umsatzsteuer für Dienstleistungen auf dem Friedhof, die im letzten Jahr angedacht war. Sie konnte dank guter politischer Arbeit des Verbandes abgewendet werden. Damit bestehen auf dem Friedhof aus Sicht der Gärtner zumindest gleiche Voraussetzungen in Sachen Dienstleistung.

„Insgesamt ist festzustellen, dass die gemeinsame Arbeit für die Friedhofsgärtner in NRW im fusionierten Verband sehr gut angelaufen ist und gut funktioniert. Durch unsere weitsichtigen Vorbereitungen und ein gutes Miteinander sind bei der Umstellung keinerlei Probleme aufgetaucht“, freute sich Asbeck zum Abschluss seine Ausführungen.

Bei den Regularien standen die Wahlen zum Vorstand im Vordergrund. Das ist seit dem letzten Frühjahr ein gemeinsamer aus Westfalen und dem Rheinland. Anja Qayyum-Kocks, Mühlheim, Carsten Nöll, Essen, Martin Blumenkamp, Bochum und Thomas Seppelfricke, Gelsenkirchen, wurden einstimmig in ihren Vorstandsämtern bestätigt.

Für die Dauergrabpflege berichteten Fritz Mölders, Duisburg, Vorsitzender des Aufsichtsrates der rheinischen Treuhandstelle, und Ralf Harbaum für die westfälische Treuhandstelle über stabile Zahlen mit Zuwächsen von 3 bis 4 Prozent landesweit gesehen. Im Bereich der rheinischen Treuhandstelle arbeiten 492 Friedhofsgärtnereien auf 1035 Friedhöfen, für die westfälisch-lippische Treuhandstelle sind 670 Betriebe auf 1300 Friedhöfen aktiv.

Anschließend stellte Thomas Schlimgen, Köln, die aktuellen Ausbildungszahlen vor. Dass hier die angepeilte Marke von 350 Auszubildenden nicht erreicht werden konnte, wundert vor dem Hintergrund der oben angesprochenen Tatsachen nicht. Aktuell sind in NRW 209 Auszubildende zum Friedhofsgärtner registriert.

Wie in jedem Jahr stellte Dr. Karl-Heinz Kerstjens, Essen, die Zahlen aus der Herbstbefragung der Betriebe vor. Bei der Frage nach dem Erfolg der einzelnen Geschäftsfelder wurde zum dritten Mal in Folge berichtet, dass die Umsätze zu den Totengedenktagen im Herbst und zur Adventszeit zurückgingen. Mit dem Frühlings- und Sommergeschäft waren die Betriebe hingegen überwiegend zufrieden.

Mit dem Thema „Wie ticken Jugendliche 2016?“ stellte Gabriele Schambach, Sinus-Akademie, Berlin, Ergebnisse aus verschiedenen Studien vor. Dabei werden die jungen Menschen in sieben verschiedene Lebenswelten eingeteilt, die ein wenig an die Kundentypisierungen vergangener Jahre erinnern. Wer sich intensiver mit dem Thema beschäftigen will, findet im Internet auf der Startseite den passenden Link. Andreas Mäsing, Gelsenkirchen, stellte anschließend Neues vom Verein zur Förderung der Friedhofskultur (VFFK) vor. Mit dem Brainstorming der Mitglieder zu Wünschen an den Vorstand und den wie immer gekonnt und verständlich vorgetragenen Ausführungen zum Arbeitsrecht von Rechtsanwalt Stephan Eichner, Köln, endete der Tag in Hattingen. (Christiane James, Straelen) 

Vorstand kamera

pfeil nach rechts Der Vorstand der Friedhofsgärtner in NRW: Geschäftsführer Martin Walser, Carsten Nöll, Thomas Seppelfricke, Andrea Wiese, Thomas Schlimgen, Martin Asbeck, Fritz Mölders, Geschäftsführer Ralf Haarbaum, Jan-Peter Quelle, Martin Blumenkamp und Stephan Neuenhofer vor der Industriekulisse in Hattingen (v.l.n.r.)

 

Delegierte kamera

pfeil nach rechts Mit Beifall wurde der neu gewählte Vorstand durch die Delegierten und Gäste bestätigt.

 

Bhne kamera

pfeil nach rechts Gut besucht war die Veranstaltung in diesem Jahr.

Text und Bilder: Landesverband Gartenbau NRW, Text und Bild sind für redaktionelle Zwecke honorarfrei