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Wie in Westfalen-Lippe alles begann …
 
Die Anfänge des Gartenbaus in Westfalen und Lip­pe verlieren sich im Dunkel der Geschichte. Einer der ersten bekannten Gärtner war Johannes Her­manus Josephus Schräder aus Münster, der bereits im Jahre 1835 Haus 2016am Bohlweg eine Gärtnerei betrieb.
Die Notwendigkeit, sich berufsständisch zu organi­sieren, wurde von weitsichtigen Kollegen schon sehr früh erkannt und führte 1893 zur Gründung eines „Verbandes der Handelsgärtner", dem Vater des späteren Reichsverbandes Gartenbau und dem Großvater des Zentralverbandes Gartenbau in Berlin.
 
1880 schlossen sich 24 Gärtner zum „Verein selbständiger Gärtner für Münster und Umgebung" zusammen. 1907 trat man dem „Verband der Handelsgärtner Deutsch­lands" bei, der ein Jahr später in der Bezirksgruppe Westfalen-Lippe - Osnabrück aufging. Diese Organi­sationsform überdauerte den ersten Weltkrieg (1914 - 1918), bevor ihr im Dritten Reich im Jahre 1934 durch die sogenannte Landesbauernschaft im Reichsnährstand die Lebensgrundlage genom­men wurde. Diese auf örtlicher Ebene entstande­nen gärtnerischen Zusammenschlüsse hatten in der Regel allerdings nur ideelle Bedeutung ohne politische Wirksamkeit.
 
Durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde das gesamte Vereins- und Verbandsle­ben im Sinne dieser Regierung völlig verändert oder ganz unterdrückt. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges am 8. Mai 1945 übernahmen die Besatzungsmächte die Re­gie.
 
 
1945: Am Boden zerstört
 
Der deutsche Gartenbau, ganz besonders der in der Nähe großer Städte, war durch Kriegshandlun­gen schwer, wenn nicht fast völlig zerstört. Gleich­wohl begann der Wiederaufbau der Betriebe, jedoch zuerst beinahe ausschließlich in Eigeninitiative.
Der heimische Gartenbau war zum Anbau von Gemüse für den Direktverkauf ebenso verpflichtet wie für die Anzucht riesiger Stückzahlen von Gemüsejungpflanzen zur Bestellung der Äcker durch die Landwirtschaft, um somit die Ernährung zu sichern. Es war die Zeit der absolut selbstverständlichen Improvisation.
 
 
1946: Westfälisch-Lippische Gründung im deutschen Wiederaufbau

 

 Friedrich Strüve, Herford - 1. VorsitzenderDie offizielle Gründungsversammlung zur Bildung eines Landesverbandes Gartenbau Westfalen-Lippe e. V. fand am 12. November 1946 in Hamm statt. In den Anwesenheitslisten trugen sich 61 Betriebsinhaber ein. Die anschließende Vorstandswahl unter Leitung des Dortmunder Kreisgärtnermeisters Fritz Quast hatte folgendes Ergebnis:

Gruppe alt 2016

  •  Heinrich Wessinghage, Recklinghausen - stellvertretender Vorsitzender
  • Karl Kiel, Bieren bei Bünde - Gemüsebau
  • Karl Dreyer, Münster - Blumen und Zierpflanzenbau
  • Leonhard Kümmel, Lüdenscheid - Garten- und Friedhofsgartenbau
  • Paul Möllers, Lenhausen - Baumschulen
  • Otto Stoffregen, Dortmund, Friedrich Klee, Bielefeld - Sozialrechtlicher Ausschuss
  • Karl Kiel, Bieren, Friedrich Elsche, Hattingen, Hans Laerberg, Münster -Ausschüsse zur Preisbildung für Gemüsebau
  • Friedrich-Matthias Schlunke, Lünen, Hermann Popp, Recklinghausen, Willi Nieland, Dortmund - Blumen und Zierpflanzenbau
Als Sitz der Geschäftsstelle des Landesverbandes Gartenbau Westfalen-Lippe e. V. wurde Dortmund gewählt. Willi Nieland aus Dortmund übernahm die vorläufige Geschäftsführung des Landesverbandes.
 
Nach dieser offiziellen Gründung des Landesver­bandes Westfalen-Lippe konnte mit dem Ausbau der Berufsorganisation auf Landesebene begonnen werden. Es fehlte zu dieser Zeit eine hauptamtliche Struktur, sodass die Mitglieder durch persönlichen Einsatz eine außeror­dentliche Aufbauarbeit geleistet haben, die nicht hoch ge­nug bewertet werden kann.
 
 
1946 – 1996: Bewegte Jahre
 
1946-1996, das waren bewegte Jahre, Jahre der Expansion, Jahre dynamischer Entwicklungen. Noch wusste keiner einen Weg - doch alle fassten an.
 
Bis zur Währungsreform 1948, die alle Menschen für Stunden mit 40 Mark Startkapital gleich stellte, ging alles sehr lang­sam und gar nichts normal. Durch die nachbarschaftliche Nähe zu Holland stiegen die Importe und die plötzliche Warenschwemme hemmte, insbesondere im Ruhrgebiet, den Produktionsgartenbau in Westfalen-Lippe.
 
Ab 1949 entwickelten sich dann regional starke Order- und Verkaufsbörsen, auch in der Halle Münsterland. Neben einem Absatzmarkt standen diese auch für Kontaktbörsen unter den Gärtnern und Zuliefererfirmen für Dünger, Verpackungen und Gartenbau-Bedarfsartikel.
 
Blumengeschäfte entstanden in allen Stadtteilen und der Fahrverkauf der kleineren und mittleren Produktionsbetriebe erlebte eine nie geahnte Aufwärtsentwicklung – allerdings mit vergleichbarem Sortiment. Das und andere Marktprobleme drängten nach Lösungen und führten zu Überlegungen um Blumengroßmärkte.
 
Ab 1954 setzte sich in allen gartenbaulichen Pro­duktionsbetrieben, in allen Sparten des Erwerbsgar­tenbaus in Westfalen-Lippe die Notwendigkeit zur Spezialisierung durch. Der Markt verlangte mehr und mehr große Stückzahlen in vergleichbarer Qua­lität, um auch damit im Marketing neue Wege gehen zu können.
Um vertikale Produktionen wirtschaftlich absetzen zu können, fehlte in Westfalen-Lippe aber die Ver­marktung, weshalb im Jahr 1956 der Dortmunder Blumengroßmarkt neu gegründet und eröffnet wurde.
 
 
1955 – 1965: Wirtschaftswunderjahre
 
Mehr schleichend setzte ein Wandel zu noch mehr Qualität ein. Es reichte nicht mehr aus, Mengen zu produzieren; diese mussten auch qualitativ gut sein. Die Nachfrage ab Mitte der fünfziger Jahre blieb gleichbleibend stark. Die Entwicklung zwischen 1955 und 1965 war ge­prägt durch neue Techniken und Verfahren und durch eine rasante Expansion der Unterglasflächen.

Zeitung 2016

Die Handelskontingente wurden für den europäi­schen Binnenmarkt mehr und mehr gelockert, so dass sie für den Gartenbau überhaupt keine Rolle mehr spielten. Somit wa­ren die letzten Schranken im internationalen Wa­renaustausch geöffnet. Einige westfälische Garten­bau-Kollegen nutzten nun auch die schon bestehen­den weltweiten Kontakte für neue Entwicklungen in ihren Betrieben und brachten auf die gleiche Weise westfälisches Gartenbau-Know-How über den ganzen Globus.
 
Im Dezember 1962 wurde Dr. Jürgen Schrader als neuer Geschäftsführer vorgestellt und löste 1964 den in den Ruhestand eintretenden und bisherigen Geschäftsführer Willi Nieland ab.
Die Partner-Gesellschaft des Landesverbandes, die Gesellschaft für Dauergrabpflege Westfalen-Lippe mbH wurde im August 1969 gegründet, um eine überregionale Treuhandstelle für die Friedhofsgärtner und ihre Kunden zu schaffen.
 
Die Mitgliederversammlung des Landesverbandes wählte 1963 Günter Gregg aus Castrop-Rauxel als Kreisgärtnermeister in den Vorstand des Landesverbandes. In dieser Funktion setzte er sich insbesondere für die besonderen Herausforderungen für Endverkaufsbetriebe ein. Einige Jahre später, im Jahr 1970, löste Günter Gregg den bisherigen Vorsitzenden des Verbandes, Friedrich Strüve, als Präsident ab und strebt in den folgenden Jahren eine engere Zusammenarbeit zwischen Gartenbau und Landwirtschaft an.
 
Dr. Jürgen Schrader schied zum 01.01.1975 aus der Geschäftsführung des Verbandes aus. Die Geschäftsführung wurde vorerst, unter Verzicht auf einen Verbandsdirektor, durch Hans Cwiklinsky, Wolfgang Beissenhirtz und Ruth Vogel wahrgenommen. Für reine Vermögens- und Finanzfragen ist Schatzmeister Heinz Schilken zuständig.
Im gleichen Jahr wurde Wolfgang Beissenhirtz nach Dr. Schrader neuer Geschäftsführer der Gesellschaft für Dauergrabpflege Westfalen-Lippe mbH.
Außerdem erfolgte in 1975 die Gründung des Gartenbauhilfsdienstes Westfalen-Lippe e. V. Erster Vorsitzender ist Wilhelm Brinkmann aus Bielefeld.
 
Zwei Jahre später, im Juni 1977, startete der Bau eines neuen Verbandshauses in Dortmund-Brünninghausen.
 
Im Jahr 1979 wurde die „Landesarbeitsgemeinschaft Gartenbau und Landespflege e. V. (LAGL) gegründet, die den Grundstein für die Durchführung von Landesgartenschauen in NRW bildete.
Im September 1979 wurde dann in Dortmund-Marten mit 73.000 Quadratmetern der bisher größte Blumengroßmarkt in der Bundesrepublik eröffnet.
Dipl. – Ing. Michael Gotschika wurde 1979 für ein Jahr mit der Geschäftsführung des Landesverbandes beauftragt. 1980 übernahm Dr. Peter Komp die Geschäftsführung, die er bis 2006 innehielt.
 
Ab 1980 wurden große Erfolge, unter anderem im Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ gefeiert. Insgesamt waren in den folgenden Jahren positive Einstellungen des westfälisch-lippischen Gartenbaus zu Investitionen, Beratung und Ausbildung zu erkennen.
Das Landesverbandspräsidium setzte sich dabei im Oktober 1981 wie folgt zusammen:
  • Günter Gregg - Präsident
  • Hans Oberschelp - Vize-Präsident
  • Erich Reeker - Vize-Präsident
  • Heinz Schilken - Schatzmeister
  • Hans Schwarze - Vorsitz Ausbildungsausschuss
  • Volker Gautsch - Vorsitz Endverkauf
  • Wilhelm Brinkmann - Vorsitz Sozialausschuss
  • Heinz Flüthmann - Vorsitz Blumen und Zierpflanzen
  • Fritz Zappe - Vorsitz Gartenbauhilfsdienst
  • Harri Fleck - Vorsitz Beirat Dauergrabpflege
  • Bernhard Brokamp - Vorsitz Friedhofsgärtner
  • Heinz Herker - Vorsitz Ausstellungsausschuss
  • Werner Kley - Vorsitz LAGL NRW
  • Friedrich-Wilhelm Klingelhöfer - Vorsitz Gemüsebau
  • Hermann-Josef Vogt - Vorsitz BdB
  • Rudolf Rottmann - Vorsitz Galabau
Im Herbst 1981 waren sich Ministerialrat Anton Kränzle und Präsident Günter Gregg einig, dass eine zentrale, internationale Ausstellung für den Gartenbau in Deutschland fehle. Daraus entstand die bis heute größte Fachmesse für den Gartenbau: Am 05. April 1982 unterzeichneten die Landesverbände Gartenbau Westfalen-Lippe e. V. und Nordrhein e.V. einen Partnerschaftsvertrag mit der Messe Essen über die Durchführung der ersten Internationalen Pflanzenmesse Essen (IPM).
Im gleichen Jahr wechselt die Führung des Verbandes. Nach 12 Jahren gibt Günter Gregg sein Amt als Präsident an Erich Reeker aus Coesfeld ab.
Ein Jahr später feiert die IPM eine erfolgreiche Premiere mit 8.600 Fachbesuchern.
 
1985 wird Geschäftsstellenleiter Hans Cwiklinsky nach 32-jähriger Tätigkeit für den westfälisch-lippischen Gartenbau in den Ruhestand verabschiedet. Ein Jahr später gibt Erich Reeker sein Amt als Präsident an Heinz Flüthmann ab. Dann, im Jahr 1987, wird Jürgen Winkelmann als weiterer Geschäftsführer eingestellt. Ruth Vogel scheidet nach über 23-jähriger Tätigkeit für den Berufsstand als Mitarbeiterin und Geschäftsführerin des GHD und VDOB im April des Jahres 1988 aus den Diensten aus.
1992 wurde Heinz Herker aus Bochum mit großer Stimmenmehrheit als Nachfolger Heinz Flüthmanns in das Amt des Landesverbandspräsidenten gewählt.
Ein Jahr später wurde das neue Verbandshaus, in dem sich die Geschäftsstelle des Landesverbandes bis heute befindet, neben dem Dortmunder Blumengroßmarkt an der Germaniastraße als „Dienstleistungszentrum des Gartenbaus Westfalen-Lippe“ eingeweiht.
 
1994 wurde eine neue, eigenständige Fachgruppe der Weihnachtsbaum- und Schnittgrünerzeuger im Landesverband unter Jürgen Winkelmanns Geschäftsführung gegründet.
 
 
Nach der Jahrtausendwende
 
2006 wird Dr. Peter Komp als Geschäftsführer des Landesverbandes in den Ruhestand verabschiedet. Rechtsanwalt Jürgen Winkelmann übernimmt die Hauptgeschäftsführung.
2010 wird Heinz Herker altersbedingt in seinem Amt als Präsident von Helmut Rüskamp aus Dülmen abgelöst.
 
Auch wenn die bestehenden Probleme der westfälisch-lippischen Gärtner denen in der Vergangenheit ähneln, ist eine gemeinsame Interessenvertretung durch den Wettbewerbsdruck, die Globalisierung und die sich stetig ändernden Rahmenbedingungen nach wie vor unverzichtbar. Weiterhin gilt es Probleme des Gartenbaus zu fokussieren und Lösungen für die westfälisch-lippischen Gärtner zu erarbeiten.
Der Landesverband wird auch in Zukunft für die Interessen der westfälisch-lippischen Gärtner hinsichtlich technischen, umweltbezogenen, rechtlichen, steuerlichen und sozialen Entwicklungen im Gartenbau eintreten und das Gärtner-Netzwerk ausbauen und vertiefen.